Jagdliches Brauchtum
Jägersprache einfach erklärt
Die Jägersprache ist eine traditionsreiche Fachsprache der Jagd. Viele Begriffe klingen für Außenstehende ungewohnt, beschreiben aber Wild, Verhalten, Körperteile, Spuren und jagdliche Abläufe oft sehr genau.
Kurz erklärt
Warum gibt es eine Jägersprache?
Die Jägersprache ist über Jahrhunderte gewachsen. Sie diente der genauen Verständigung unter Jägerinnen und Jägern und ist bis heute Teil jagdlicher Kultur. Viele Wörter machen feine Unterschiede sichtbar, die im normalen Sprachgebrauch oft fehlen.
- Sie beschreibt Wildarten, Alter, Geschlecht und Verhalten.
- Sie hilft bei Ausbildung, Jagdpraxis und Nachsuche.
- Sie bewahrt jagdliches Brauchtum und gemeinsame Tradition.
Für Einsteiger
Vom Begriff zur Bedeutung
Wer zum ersten Mal Begriffe wie Äser, Lichter, Lauscher, Strecke oder Anblick hört, versteht oft nur Bahnhof. Dieses kleine Lexikon übersetzt wichtige Begriffe in Alltagssprache und erklärt kurz, wann sie verwendet werden.
- Suchfunktion für schnelle Orientierung
- Kategorien nach Wild, Körperteilen, Spuren und Jagdpraxis
- Kurze Erklärungen statt langer Fachtexte
„Jägersprache ist keine Geheimsprache, sondern ein Teil jagdlicher Fachkunde und Tradition.“
Manche jagdlichen Begriffe sind regional unterschiedlich oder werden je nach Wildart etwas anders verwendet. Darum versteht sich dieses Lexikon als verständlicher Einstieg und nicht als vollständiges Wörterbuch.
Wichtig ist: Die Jägersprache soll Wissen vermitteln, Verantwortung sichtbar machen und den respektvollen Umgang mit Wild und Natur unterstreichen.
Lexikon
Jagdliche Begriffe übersetzt
Tipp: Die Suche findet sowohl jagdliche Begriffe als auch Alltagssprache. Du kannst also auch nach „Augen“, „Beine“, „Wildschwein“ oder „Spur“ suchen.
Äser
KörperteileBeim Schalenwild und vielen Haarwildarten wird das Maul als Äser bezeichnet. Beim Schwarzwild spricht man häufig vom Gebrech.
Gebrech
KörperteileBeim Schwarzwild bezeichnet Gebrech den Bereich des Maules. Dort sitzen auch die Waffen, also die Hauer und Gewehre des Keilers.
Lichter
KörperteileDie Augen des Wildes werden in der Jägersprache Lichter genannt.
Lauscher
KörperteileDie Ohren des Wildes heißen Lauscher. Der Begriff weist darauf hin, wie wichtig das Hören für Wildtiere ist.
Läufe
KörperteileDie Beine des Wildes werden Läufe genannt. Bei Federwild spricht man dagegen von Ständern.
Schalen
KörperteileSchalen sind die Klauen von Reh-, Rot-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild. Daher stammt auch der Begriff Schalenwild.
Decke
KörperteileAls Decke bezeichnet man das Fell vieler Haarwildarten, besonders beim Schalenwild.
Schwarte
KörperteileBeim Schwarzwild spricht man nicht von Decke, sondern von Schwarte.
Spiegel
KörperteileDer helle Bereich am Hinterteil von Reh-, Rot- oder Damwild wird Spiegel genannt. Er hilft auch beim Ansprechen.
Wedel
KörperteileDer Schwanz wird je nach Wildart unterschiedlich bezeichnet. Beim Fuchs und bei Hunden spricht man häufig vom Wedel.
Blume
KörperteileDer kurze Schwanz von Hase und Kaninchen wird Blume genannt.
Gehörn
KörperteileBeim Rehbock spricht man traditionell vom Gehörn. Bei Hirscharten ist dagegen meist vom Geweih die Rede.
Geweih
KörperteileDas Geweih wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Man findet es bei Rot-, Dam- und Sikawild.
Rehwild
Wild & GruppenBeim Rehwild heißt das männliche Stück Bock, das weibliche Stück Ricke oder Geiß, das Jungtier Kitz.
Schwarzwild
Wild & GruppenMännliches Schwarzwild heißt Keiler, weibliches Schwarzwild Bache. Jungtiere heißen Frischlinge, junge Stücke im zweiten Lebensjahr Überläufer.
Keiler
Wild & GruppenEin Keiler ist ein männliches Stück Schwarzwild. Starke Keiler tragen deutlich sichtbare Hauer.
Bache
Wild & GruppenDie Bache ist das weibliche Stück Schwarzwild. Führende Bachen sind aus Gründen des Tierschutzes besonders zu beachten.
Frischling
Wild & GruppenFrischlinge sind die Jungtiere des Schwarzwildes. Sehr junge Frischlinge sind deutlich gestreift.
Überläufer
Wild & GruppenÜberläufer sind junge Stücke Schwarzwild nach dem Frischlingsalter.
Rotte
Wild & GruppenMehrere Wildschweine zusammen nennt man Rotte. Häufig besteht sie aus Bachen, Frischlingen und Überläufern.
Rudel
Wild & GruppenBei Rotwild und Damwild spricht man von einem Rudel. Bei Rehwild ist eher der Begriff Sprung üblich.
Sprung
Wild & GruppenMehrere Rehe, besonders im Winter, werden als Sprung bezeichnet.
Fährte
Spuren & ZeichenDie Spur von Schalenwild nennt man Fährte. Sie kann Hinweise auf Wildart, Richtung und Verhalten geben.
Geläuf
Spuren & ZeichenGeläuf bezeichnet Spuren von kleineren Wildarten, zum Beispiel von Hase oder Federwild.
Anschuss
Spuren & ZeichenAm Anschuss sucht man nach Zeichen wie Schweiß, Schnitthaar oder Knochensplittern. Er ist besonders wichtig für die Nachsuche.
Schweiß
Spuren & ZeichenBlut wird in der Jägersprache Schweiß genannt. Schweiß am Anschuss kann wichtige Hinweise für die Nachsuche geben.
Schnitthaar
Spuren & ZeichenSchnitthaar entsteht durch den Geschossdurchgang und kann Hinweise auf Sitz und Wirkung des Schusses geben.
Losung
Spuren & ZeichenLosung kann Hinweise geben, welche Wildart in einem Gebiet vorkommt und wie frisch die Anwesenheit ist.
Malbaum
Spuren & ZeichenBesonders Schwarzwild reibt sich nach dem Suhlen an Malbäumen. Daran bleiben Schlamm, Haare und Geruch zurück.
Suhle
Spuren & ZeichenSchwarzwild nutzt Suhlen zur Körperpflege und Abkühlung. Suhlen sind wichtige Hinweise auf Schwarzwildvorkommen.
Ansitz
JagdpraxisBeim Ansitz wartet die Jägerin oder der Jäger ruhig an einem geeigneten Platz, etwa auf einem Hochsitz oder an einer Kanzel.
Anblick
JagdpraxisWer Wild sieht, hat Anblick. Der Begriff wird oft verwendet, wenn man von einer Jagd oder Beobachtung berichtet.
Ansprechen
JagdpraxisVor jedem Schuss muss Wild sorgfältig angesprochen werden: Wildart, Alter, Geschlecht, Zustand und jagdliche Freigabe müssen stimmen.
Pirsch
JagdpraxisBei der Pirsch bewegt sich die Jägerin oder der Jäger langsam, aufmerksam und möglichst geräuscharm durch das Revier.
Drückjagd
JagdpraxisBei der Drückjagd wird Wild langsam und kontrolliert durch Treiber und Hunde in Bewegung gebracht.
Treiber
JagdpraxisTreiber unterstützen Gesellschaftsjagden, indem sie bestimmte Bereiche langsam durchgehen und Wild in Bewegung bringen.
Hundeführer
JagdpraxisHundeführer arbeiten mit Jagdhunden, zum Beispiel bei Drückjagden, beim Stöbern oder bei Nachsuchen.
Nachsuche
JagdpraxisDie Nachsuche dient dazu, beschossenes Wild zu finden. Sie ist ein wichtiger Teil waidgerechter Jagdausübung und des Tierschutzes.
Aufbrechen
JagdpraxisBeim Aufbrechen werden die inneren Organe entnommen. Das ist wichtig für Hygiene, Wildbretqualität und Untersuchung.
Wildbret
JagdpraxisDas Fleisch von erlegtem Wild heißt Wildbret. Es ist ein hochwertiges Lebensmittel aus der Region.
Strecke
BrauchtumAls Strecke bezeichnet man das erlegte Wild. Beim Streckelegen wird es geordnet ausgelegt und jagdlich geehrt.
Bruch
BrauchtumEin Bruch ist ein abgebrochener grüner Zweig, der als Zeichen, Ehrung oder Schmuck verwendet wird.
Letzter Bissen
BrauchtumDer letzte Bissen wird dem erlegten Stück als Zeichen der Achtung gegeben.
Schützenbruch
BrauchtumDer Schützenbruch wird dem erfolgreichen Erleger überreicht und traditionell am Hut getragen.
Waidmannsheil
BrauchtumWaidmannsheil wird als Gruß, Wunsch für guten Jagderfolg oder als Glückwunsch nach erfolgreicher Jagd verwendet.
Waidmannsdank
BrauchtumWaidmannsdank ist die traditionelle Antwort auf den Glückwunsch Waidmannsheil.
Halali
BrauchtumHalali ist ein bekanntes Jagdhornsignal und gehört zum jagdlichen Brauchtum am Ende einer Jagd.
Revier
JagdpraxisDas Revier ist das Gebiet, in dem die Jagdausübung stattfindet und Verantwortung für Wild und Lebensraum übernommen wird.
Stück
Wild & GruppenEin einzelnes Wildtier wird häufig als Stück bezeichnet, zum Beispiel ein Stück Rehwild oder ein Stück Schwarzwild.
Waidgerecht
JagdpraxisWaidgerecht beschreibt eine Jagdausübung, die Wissen, Verantwortung, Tierschutz, Sicherheit und Respekt vor dem Wild verbindet.
Die Jägersprache ist regional und historisch gewachsen. Einzelne Begriffe können je nach Region, Wildart oder jagdlicher Schule unterschiedlich verwendet werden. Diese Übersicht erklärt die wichtigsten Begriffe allgemeinverständlich.


